Fehlkauf

Ein neues Minitool sollte es sein. Das stand schon recht lange auf meiner Wunschliste.
Bei jedem Besuch im Bikeshop der gleiche Gedanke: "Ach das Alte tut´s doch auch, spar Dir das Geld!" Kein Wunder. Bei den exorbitanten Preisen für Multitools vergeht der Kaufrausch schneller als ein deutscher Sommer.

Bisher schleppte ich einen Klumpen von einem zum Tool geformtes Altmetall , welches sicherlich einst dem Baumarkt entsprang und sich in irgendeiner Werkzeugkiste fand, mit mir herum. Reifenheber und Kettennieter exklusive. Die quetschte ich bisher zusammen mit dem Ersatzschlauch und dem Tool in die Satteltasche.

Bei einer Panne im Wald sorgte ich dann stets für reichlich Gelächter bei meinen Mitfahrern. Sprang mir doch jedes mal der unter Druck stehende Inhalt beim Öffnen der Satteltasche förmlich entgegen.
Ergo den Entschluss gefasst: Ich kauf mir jetzt ein richtiges Tool. Wenn Titanic, dann erster Klasse!

Da die Wahrscheinlichkeit größer ist im Wald einen onanierenden Bären zu Gesicht, als im Radsport Teile der Kategorie "gut & günstig" zu bekommen, lasse ich die Preisschilder ausnahmsweise einfach mal außer acht.

Dennoch fällt die Wahl nicht leicht. Viele Tools warten mit einer Masse an Werkzeugen auf, andere preisen ihr geringes Gewicht an. Klingt beides irgendwie verlockend.
Da es aber wie immer die Eierlegendewollmilchsau nicht gibt, entscheide ich mich schließlich für das TOM 18 von SKS. Es scheint mir alle nötigen Funktionen zu haben ohne mit überflüssigem Schnick Schnack überladen zu sein. Zudem genießt SKS einen guten Ruf. Da kann man für 25 € ja eigentlich keinen Fehlkauf getätigt haben.

Das dem doch so ist, wird bereits auf den ersten Kilometern der folgenden Tour klar. Aus der Satteltasche dröhnt ein Klappern und Scheppern wie von Dosen hinter einer Stretchlimousine. Fehlt nur der Schleier und das Schild: Just married!
Die seitliche angebrachte Schraubverbindung des Tools hat sich gelockert und ich hab einen Haufen Einzelteile in der Hand. Selbstsichernde Schrauben hätte ich bei SKS mindestens erwartet.

Da mir später unterwegs glücksehligerweise dann auch noch die Kette reißt, darf auch der Kettennieter des Tools beweisen, dass er so rein gar nichts taugt. Zunächst fällt auf, dass es keine Möglichkeit gibt, mit dem Tool den Überstand der Ersatzniete abzubrechen. Doch bis dahin kommt man ohnehin nicht. Die Kette hat in dem Nieter zu viel Spiel und wandert hin und her. Mit dem Ausdrückbolzen die Niete zu treffen wird zur Geschicklichkeitsübung, die ich gottlob bei Sonnenschein absolvieren darf. Bei Nässe oder mit kalten Fingern wäre dies sicherlich unmöglich.

Aber dank meiner Geschicklichkeit, vielleicht hab ich bei meinem xten Versuch auch einfach nur Glück, treffe ich die Niete. Nur lässt sich die gar nicht herrausdrücken. Das flache Griffstück am Kettennieter ist derart klein und fummelig, dass es schlicht nicht gelingt es festzuhalten. Daheim muss dies die Wasserpumpenzange bewerkstelligen.

Somit stehe ich nun vor der Wahl. Entweder nehme ich zu meinem teuren und leichten Tool fortan eine Wasserpumpenzange in der Satteltasche mit, oder ich werfe dem nächsten SKS Vertreter den ich treffe, sein Tool an den Kopf und verfahre wie bisher mit Billigtool und externem Kettennieter.
Ich habe die Entscheidung bereits getroffen! Zieht die Köpfe ein!




Kommentare