Deutschland ohne Geld

Es gibt ja nichts was es nicht bereits gab. Keine Radtour, keine Wanderung, keine Abenteuerreise, die noch nicht gefahren, gewandert oder erlebt wurde. Das Internet legt schonungslos dar, dass so ziemlich jeder Winkel der Erde, und sei er noch so entlegen, bereits bereist wurde.
Eine Wanderung im Harz? Laaaanweilig! Rucksacktraveling? Öööööde! Eine Wanderung auf dem Jakobsweg? Schoooon wieder?


Was aber genau lässt das Interesse der Menschen an solchen Berichten schwinden?

Eine Alpenüberquerung wird heutzutage schließlich nur noch müde belächelt. Es muss schon eine Rennteilnahme am Cape Epic sein, will man, und darauf kommt es dieser Gesellschaft offenbar primär an, Likes bei Facebook sammeln.
Google spuckt auf entsprechende Suchbegriffe mehr Berichte aus, als man bis zum eigenen Umzug auf den städtischen Friedhof, jemals wird lesen können. Allerdings überwiegt Quantität. Die Qualität der Berichte lässt oft zu wünschen übrig. Sie beschränken sich oft auf die schlichte Angabe von Leistungswerten wie Kilometerleistung, Höhenmeterzahl und Durchschnittsgeschwindigkeiten. Die Generation-Strava, getrimmt auf Vergleichbarkeit und Wetteiferung, stets bemüht den anderen zu übertrumpfen, - egal ob auf dem Rad, in Laufschuhen oder Wanderstiefeln - scheint verlernt zu haben, worum es eigentlich bei ihrem Hobby geht. Aber genau deshalb werden solche Texte auch nur noch überflogen. Mehr als drei Sätze liest kaum jemand. Zu gering ist der Unterhaltungswert der immergleichen Angeberei!

Dabei böte, aufgrund unterschiedlicher Erlebnisse und subjektiver Eindrücke, jede einzelne Unternehmung Stoff, um ganze Bücher zu schreiben, sofern man sich diese Mühe macht. Genau das hat bereits 1982 Michael Holzach getan. Mit seinem Buch "Deutschland umsonst", hat er nicht nur einen Bestseller geschrieben und damit viele Menschen zu ähnlichen Unternehmungen inspiriert, er zeigt auch auf, dass das Abenteur und damit verbundene Freiheit oft direkt vor der Haustür auf uns wartet.
Obwohl das Buch inzwischen unfassbare 36 Jahre auf dem Markt, hat es nichts an seinem Reiz verloren. Im Gegenteil - überraschend erquickend empfinde ich den Umstand, dass Holzach, der (zu damaliger Zeit fast frevelhaft) die oberflächliche Einstellung "du bist, was du hast" unserer Gesellschaft anprangernd, ohne eine müde Mark durch Deutschland wandert, seine Erlebnisse mit einer guten Portion Sarkasmus gewürzt beschreibt. Dabei lässt er den Leser auch einen ehrlichen Einblick in seine mentale Verfassung erhaschen.

Holzach, der diese Wanderung übrigens ohne Handy, ohne Bargeld, ohne Navigationssystem - also ohne, wie heute üblich, mit Netz und doppelten Boden der Absicherung absolviert, erlebt auf dem Weg von Hamburg nach München ein Abenteuer - mitten in Deutschland - welches direkt an seiner Haustür beginnt. Deutschland umsonst wurde auch als Hörbuch vertont, welches ich euch hier vorstellen möchte. (siehe unten).

Nicht nur sein Schreibstil, sein Sinn für unterhaltsame und bildhafte Berichterstattung und die Tatsache, dass Holzach aus meiner Heimatstadt Hamburg stammte, bringt ihm meine Sympathie ein. Auch die sehr tragischen Umstände seines Todes - Holzach starb bei dem Versuch seinen Hund vor dem Ertrinken zu retten - zeugen davon, dass Holzach ein ganzer Kerl mit dem Herz am rechten Fleck war.

In der Verfilmung seiner Reise mit dem Titel "Zu Fuss und ohne Geld", wird aus Holzach übrigens Stephan Waldhoff (Link). An der Story selbst wurde leider ebenfalls viel verändert.

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5



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