TexLock - nicht mehr als eine Wäscheleine?


Es ist noch gar nicht lange her, da stellte ich euch das Tex Lock Fahrradschloss in meinem Blogeintrag vor. Leicht, schön und sicher sollte es sein, das neue Wunderschloss aus Textilfasern. Eine echte Alternative zu schweren Stahlketten und Bügelschlössern, so wurde es der Crowdfunding-Gemeinde angepriesen.
   Crowfunding ist ein Finanzierungskonzept, bei dem Prototypen und Ideen entwickelt und realisiert werden, an deren Lizenzen oder Patenten namenhafte Hersteller (oft aus gutem Grund) keinerlei Interesse zeigen. Was letztlich mein Beweggrund ist, von solchen risikobehafteten Spekulationsinvestitionen die Finger zu lassen. Ein Crowfunder, meist ein ganz normaler Durschnitssverdiener und Ottonormalbürger so wie du und ich, erklärt sich bereit, einen Teil seiner sauer verdienten Kohle, zusammen mit anderen, in einen Topf zu werfen, in der spekulativen Hoffnung, dass das Produkt reißenden Absatz findet, an dessem Gewinn er dann, genau wie der Produkterfinder,  prozentual beteiligt wird. Flopt das Produkt, hat man seine Kohlen in den Gulli gesteckt. Der Gewinner bei diesem Finanzierungssystem ist stets der mittellose Ideengeber und Erfinder. Er hat das finanzielle Risiko seines Start Up auf anderer Leute Schultern abgeladen, schöpft aber dennoch einen Teil der eventuellen Gewinne ab.

Besonders bei der Sicherheit des TexLock hatte ich doch so meine Bedenken und wollte mit einer eventuellen Anschaffung warten, bis erste Erfahrungsberichte und weitere Testergebnisse vorliegen. Dies ist nun der Fall und die Ergebnisse sind erschreckend. Jedem normaldenkenden Menschen muss natürlich klar sein, dass kein Schloss der Welt aufbruchsicher ist. Vielmehr geht es um das Stellen einer Barriere. Je aufwendiger und anstrengender das Knacken ist, je länger der Fahrraddieb dazu benötigt und sich dem Risiko erwischt zu werden aussetzt, desto eher wird er sein Vorhaben abbrechen oder gar nicht erst beginnen. Die Essenz eines guten und vorallem sicheren Fahradschlosses ist also seine Widerstandsfähigkeit gegen unterschiedliche Aufbruchmethoden, gemessen am dafür benötigten Zeitansatz!

Anders als von mir vermutet, sind offenbar nicht die Ösen oder der Schließzylinder der Schwachpunkt. Wobei der Schließzylinder bisher kaum getestet wurde. Denn viel einladender für Diebe ist das Seil selbst. Während Tex Lock in seinen Werbevideos marketingtechnisch clever inszenierte Aufbruchtests mit Bunsenbrenner und Bolzenschneider darstellte, hierfür sogar den durch unsere Gebühren finanzierten WDR anheuern konnte, reicht in der Praxis eine handelsübliche Pucksäge aus, um das Schloss binnen Sekunden zu durchtrennen. 8 Sekunden um genau zu sein. Damit mutiert das angeblich sichere Schloss allenfalls zu einem Geschenkband für Diebe.




Mir geht es hier, das möchte ich ausdrücklich betonen, an dieser Stelle nicht darum, einem Unternehmen zu schaden. Vielmehr geht es darum, dass auch ich gewillt war, dieses Schloss zu kaufen und mich nun verarscht fühlen müsste, was ich ebenfalls anderen Radfreunden ersparen möchte. Es gibt aus meiner Sicht einfach deutlich bessere Alternativen - so einfach ist das!

Der weiße Riese wäscht jeden Flecken porentief raus, in Villariva spühlt man tausende Teller mit einem Tropfen Ferry, Febreeze lässt das Schimmelsofa nach Blumenwiese duften. Gelogen wird in der Werbung und in den Marketinabteilungen der Konzerne immer. Pikantester und gravierenster Fall dürfte der Abgasskandal sein. Wo aber genau ist die Grenze zwischen Werbeschummelei und Betrug?   
   Diese Frage wird im Abgasskandal demnächst gerichtlich entschieden werden müssen. So wie auf VW, aber auch viele andere Automobilkonzerne eine Klagewelle zurollen dürfte, könnte es auch TexLock ergehen. Denn nicht nur die Kapitalanleger sind sauer. Denen könnte man noch schadenfroh  ihre leichtsinnige Investition vorwerfen. Auch die leerer Versprechungen aufgesessenen TexLock-Kunden, sind mehr als nur enttäuscht. Rund 100 € kostet so ein Schloss, das nun offenbar bestenfalls als Wäscheleine fungieren kann. Die Schutzfunktion ist derart gering, dass ein Spiralschloss aus dem Baumarkt den selben Schutzeffekt verspricht - für grade mal 10 €.
Dabei wurden Schnitt- und Sägeschutz durch TexLock doch aber ausdrücklich als Stärken beworben!

TexLock gerät also zunehmend unter Kritik und ins Kreuzfeuer. Einsicht oder gar eine Entschuldigung bei Anlegern und Kunden bleiben allerdings aus. Ausreden gibt es dafür zu Hauf, wie dieses Video eines enttäuschten Anlegers belegt. Auch andere Kritiker erhielten auf Nachfrage Stellungnahmen, die bei mir irgendwas zwischen Verwunderung, Kopschütteln und Fassungslosigkeit auslösen. Link. Sobald man die Textilfasern spannt, verlieren sie ihre Funktion? Was soll der Kunde tun? Einen Zettel mit der Bitte, das Schloss nur im unverspannten Zustand aufzubrechen, dranhängen? Soetwas nennt sich nach meiner Definition: Klarer Fall von absoluter Fehlentwicklung. Technisch nicht ausgereift, nicht ausreichend getestet und in jegweder Form unbrauchbar. Der Kunde verkommt zum Testkarnickel.

Die offizielle Stellungnahme auf dem TexLock-Blog ist eine absolute Frechheit!
Mit "Jetzt wird es unverschämt" betitelt ein TexLock-Kunde diese Stellungnahme, (was sich mit meiner Ansicht deckt) und äußerst sich eingehend dazu.


Scheinheiliger als das Verhalten von TexLock ist allerdings der MDR. Erst kürzlich haben sie das Schloss noch angepriesen. Jetzt heult der GEZ Abzockerclan mit den Wölfen.

Grundsätzlich finde ich die Idee des TexLock noch immer gut. Die Umsetzung ist leider gründlich misslungen. Die Ösen halten Säge und Bolzenschneider lange genug stand. Zu testen wäre noch der Schließmechanismus gegen Lockpicking, Hitze und Kälte. Die Textilfasern überzeugen mich ebenfalls weitestgehend. Ihr markanter Schwachpunkt ist ihre Anfälligkeit gegen Schnittwerkzeuge und Sägen. Der Lösungsansatz ist aber denkbar einfach. Ein flexibles Lehrrohr, in dem eine Stahlseele liegt, sollte die derzeit verwendete Stahlkette im Inneren des Textilbandes ersetzen. Hier würde die Säge nicht greifen können, da die Stahlseele sich im Leerohr stets mitdrehen würde.
Bei einem Angriff mit dem Bolzenschneider würde dieses zwar durchtrennt, dazu müsste der Dieb aber zunächst das Textilband zersägen, denn dieses, das haben die Tests ja gezeigt, halten dem Bolzenschneider wiederum stand. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Dieb beide Werkzeuge dabei hat, sich die Mühe macht und die Zeit findet, beide einzusetzen, ist dann doch eher gering




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